KlassenFragen Ausgabe 2 / Oktober 2026
Klassenfragen #2 - Sozialismus – Vorwort der Redaktion
In dieser Ausgabe #2 beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit dem Sozialismus. Der Sozialismus steht nicht nur als fernes Ziel in unserem Programm, sondern ist die Aufhebung der kapitalistischen Widersprüche und daher die Leitschnur, nach der wir in die heutigen Kämpfe eingreifen.
In der Chinadebatte der vergangenen Jahre wurde immer auch über unsere Sozialismusvorstellungen diskutiert, wenn auch nicht explizit und organisiert. Zur Strukturierung der Debatte und zur Transparenz der Positionen und Widersprüche wollen wir mit dieser Ausgabe einen Beitrag leisten.
Was unterscheidet eine kommunistische Partei von einer Partei, die nur für bessere Verhältnisse innerhalb des bestehenden Systems kämpft? Der Beitrag „Sozialismus am Sankt Nimmerleinstag?" zeigt, wie entscheidend der Sozialismus als Ziel und Richtschnur für den Charakter der Partei und die Strategie und Taktik in den täglichen Kämpfen ist. In „Was ist Sozialismus?" wagen Georg Fülberth und Lucas Zeise sich an die Definition der Grundzüge des Sozialismus. „Übergangsperiode, Sozialismus, Kommunismus" bringt Klarheit in Begriffe, deren Unschärfe nicht folgenlos ist: Wer diese Phasen nicht unterscheidet, kann jede beliebige gesellschaftliche Wirklichkeit als Sozialismus bezeichnen.
Paul Rodermund arbeitet in „Notwendige Aufarbeitung unseres Erbes“ heraus, wie entscheidend eine Niederlagenanalyse für unser Sozialismusverständnis ist und welche Aufgaben vor der DKP liegen. Einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung unserer Geschichte leistet die „NÖP-Legende“, in der Olaf Peters mit gängigen Vorurteilen und Fehlschlüssen aus der Geschichte der jungen Sowjetunion aufräumt. Er charakterisiert die NÖP als eine Erscheinung der Übergangsperiode in der SU, die nicht als marktsozialistische Blaupause für kommende Anläufe zum Sozialismus herhalten darf. Dass Markt und Plan keine neutralen Instrumente sind, zwischen denen man pragmatisch im Aufbau des Sozialismus wählen kann, reißt Jürgen Lloyd in „Konträre Konzepte: Markt vs. Plan" an.
Kein Heft über Sozialismus, ohne sich mit Kuba zu beschäftigen. Tomke Blotekamp wirft in „Markt contra Emanzipation" einen Blick auf die Auswirkungen von Blockade und Marktreformen in Kuba auf die Gleichstellung der Frau und andere Errungenschaften der Revolution. Sie betont, dass es auch an uns liegt, ob die kubanische Revolution überlebt oder nicht.
In „Kuba, (k)ein Beispiel für Selbstbefreiung?“ macht Tobias Kriele deutlich, wie wenig hilfreich es ist, die antikoloniale Befreiungsgeschichte Lateinamerikas entlang ethnischer Linien zu erzählen und Sklaverei und Klassenkämpfe dabei auszublenden. Dagegen zeigt er, dass die kubanische Befreiungstradition seit dem 19. Jahrhundert den Kampf gegen Kolonialismus, Sklaverei, Rassismus und patriarchale Unterdrückung miteinander verband und Kubas Widerstand auch heute von weltweiter Bedeutung ist.
Wie müssen wir kämpfen, damit die Arbeiterklasse von einer Klasse an sich zu einer Klasse für sich werden kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich Jurek Macher in der Analyse der Entlastungsstreikbewegung in NRW, die in den letzten Jahren deutsche Gewerkschaftsgeschichte schrieb. Er schildert, wie Beschäftigte, die als Subjekte ihres eigenen Arbeitskampfes auftreten, mehr gewinnen als nur bessere Personalschlüssel.
Den theoretischen Abschluss des Heftschwerpunkts bildet die Auseinandersetzung mit Domenico Losurdos Schriften und Beiträgen. Franz Leo kommt in „Die große Neuetikettierung" zu dem klaren Schluss: Losurdos Einfluss ist desorientierend für die Klärung der Geschichte der kommunistischen Bewegung.
Im zweiten Teil des Heftes knüpfen wir mit Analysen und Rezensionen an die erste Ausgabe zum Imperialismus an.
Wir veröffentlichen den zweiten Teil der Analyse chinesischer Kapitalexporte von Markus Bernd, der die chinesische Kreditvergabe und Kapitalexporte in ihrem globalen Zusammenhang betrachtet. und rezensieren die China-Bücher von Uwe Behrens sowie „Socialism Betrayed" von Roger Keeran und Thomas Kenny.
Im Abschnitt „Debatte“ antworten wir auf die umfangreiche Zuschrift des Genossen Jörg Lang zu unserem ersten Heft und versuchen Differenzen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
Den Abschluss bilden zwei Texte in eigener Sache. In der Stellungnahme der Herausgeber begründen wir einmal mehr, warum wir die Herausgabe der KlassenFragen für alternativlos und unsere Pflicht halten und was den Anstoß zu dieser Initiative gegeben hat. Wir dokumentieren abschließend einen Briefwechsel aus dem Jahr 2005, dessen Schlussfolgerungen wir uns nur anschließen können.