KlassenFragen - Zeitschrift für kommunistische Debatte und Politik

KlassenFragen Ausgabe 2 / Oktober 2026

Editorial

Der Imperialismus, Schwerpunkt unserer ersten Ausgabe, drängt zum Krieg. Die Aggression gegen das sozialistische Kuba wurde weiter eskaliert bis hin zur offenen Kriegsdrohung durch die USA. Die menschenverachtende Politik gegen das – trotz aller Bedrängung – selbstbewusst widerständige kubanische Volk ist eine Ausprägung des Imperialismus. Im Nahen Osten weitet sich der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran auf den Libanon, die Golf-Staaten und den Jemen aus, während das Morden der israelischen Armee in Gaza weitergeht. Hier mischt auch der deutsche Imperialismus mit, unterstützt das kriegführende israelische Apartheidregime und liefert Waffen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, mit denen diese in den Krieg in Jemen eingreifen.

In Deutschland wird die Militarisierung weitergetrieben und ein umfassender Klassenkampf von oben geführt. Die Rekord-Aufrüstung soll mit Rekord-Sozialabbau finanziert werden. Dagegen zeigen sich erste zarte Pflänzchen des Widerstands. Die Gewerkschaften mobilisierten zu bundesweiten Protesten gegen den geplanten Sozialabbau. Der Zusammenhang von Sozialabbau und Aufrüstung, von vielen Kolleginnen und Kollegen mittlerweile erkannt, blieb in den offiziellen Reden jedoch eine auffällige Leerstelle. Unklar blieb auch, gegen wen sich die Proteste richten: fehlgeleitete Politiker und unfähige Manager? Hier tut Orientierung durch KommunistInnen Not, denn Klassenkampf hat einen Gegner: die Kapitalistenklasse, in unserem Fall die deutsche. Dabei ist die Forderung nach Kooperation mit China und Russland wenig hilfreich als Aktionslosung für die Arbeiterklasse – sie suggeriert eine Wirtschaft zum gegenseitigen Vorteil im Kapitalismus, als ließen sich Konkurrenz und Profitstreben einfach abschalten. Die Realität sieht für viele Kolleginnen und Kollegen insbesondere in der Industrie anders aus: Wirtschaftliche Kooperation mit China unter Bedingungen kapitalistischer Produktion bedeutet Rationalisierung, Standortverlagerung, Streichung von Arbeitsplätzen hier, weil der Preis der Ware Arbeitskraft dort niedriger ist. Dagegen hilft nur Klassenkampf – hier wie dort.

Vor allem die Jugend macht Hoffnung durch ihren anhaltenden Widerstand gegen die Wehrpflicht. Dass die SDAJ hierbei eine große Rolle spielt, demonstriert, wie sich konsequente, auf marxistische Analyse gestützte Arbeit in der Praxis bewährt. In den Schulstreiks die Forderung nach einer „Regierung des Friedens“ (auch wenn sie jetzt „gesellschaftliche Machtoption“ heißt) zu verbreiten, schürt Illusionen in die vermeintliche Friedfertigkeit bürgerlicher Regierungen, statt auf den gemeinsamen Kampf der Arbeiterklasse zu orientieren. Der Begriff „Machtoption“ stammt aus der bürgerlichen Politikwissenschaft, wo er vor allem für Spekulationen über Regierungskonstellationen – mit oder ohne PdL oder AfD – dient. Warum bedienen wir uns solch schwammiger Begriffe? Warum sprechen wir nicht weiterhin von „Revolution“ statt von „gesellschaftlicher Machtoption“?

Im Editorial der ersten Ausgabe schrieben wir: „Wir wollen Debatten und Kontroversen anstoßen.“ Dabei bleiben wir und danken allen Leserinnen und Lesern für die vielen Zuschriften, die uns erreicht haben, für die Kritik, für die Anregungen und Ermutigungen, für den Widerspruch und die Angebote zur Unterstützung. Wir nehmen all das als Ansporn, in Klassenfragen die streitbare Diskussion unter Marxistinnen und Marxisten fortzuführen.

Die Parteiführung äußerte leider nur formale Kritik an unserem Projekt und ließ uns über die Bezirke auffordern, die Zeitschrift einzustellen. Eine inhaltliche Begründung, um die wir mehrfach baten, blieb aus. Wir gehen darauf in diesem Heft mit einer Erklärung der Herausgeber ein.

Wie nötig KlassenFragen ist zeigte auch die im Juni veranstaltete Imperialismus-Konferenz der DKP. Unsere Zeitschrift war – was uns freut – für manche dabei eine hilfreiche Handreichung, die Kontroversen besser nachvollziehbar machte. Offiziell war diese Konferenz als Diskussionsauftakt angelegt. Wir vermissen allerdings die strukturierte Aufarbeitung der wichtigsten Diskussionspunkte im Nachgang zur Veranstaltung. So wurde auf der Konferenz Widerspruch zu zentralen Thesen geäußert, u.a. zur Gleichsetzung von Imperialismus und G7/Räuber anstatt Imperialismus als Weltsystem zu begreifen, dessen Gesetzmäßigkeiten sich durch das Handeln der Akteure hinter ihrem Rücken durchsetzt. So wird Imperialismus zur Politikvariante, mit Konsequenzen für die Strategie unserer Partei: wenn man Imperialismus auch „abwählen“ kann, ist die Losung einer „Regierung des Friedens“ durchaus folgerichtig. Wir hoffen, dass der PV seiner Verantwortung nachkommt, diese Diskussion strukturiert weiterzuführen. Wir sind jedenfalls entschlossen, mit KlassenFragen die notwendige Debatte anzuregen.

Schwerpunktthema dieses Heftes, die zweite Ausgabe der KlassenFragen, ist der Sozialismus. Die Zuspitzung der Widersprüche des Kapitalismus in seinem letzten Stadium bereitet vor und drängt dahin, dass diese Gesellschaftsformation durch die des Sozialismus abgelöst wird. Unser Verständnis des Sozialismus ist geprägt dadurch, dass er Antwort auf diese Widersprüche ist – bestimmte Negation des Kapitalismus. Unsere Aufgabe als Kommunisten in diesem Land ist es, die sozialistische Revolution von morgen in den Kämpfen von heute vorzubereiten. Das Ringen um ein klares Verständnis vom Sozialismus ist unverzichtbar, um unsere Aufgabe als Avantgarde wahrnehmen zu können – und das heißt: uns weiterentwickeln und stärken zu können, um als kommunistische Partei zu bestehen.

Der Herausgeberkreis